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Kreiszeitung: NORDSEEWIND UND SCHLAGERTRÄUME

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Kritik der Kreiszeitung zu "NORDSEEWIND UND SCHLAGERTRÄUME" im Weyher Theater

„Wo Schlager Verbindung schafft

Freitagabend, es herrscht mal wieder Premierenstimmung im Weyher Theater – und schon nach wenigen Minuten ist klar: Diese Karaoke-Komödie aus der Feder von Kay Kruppa und Frank Pinkus möchte nicht nur unterhalten, sie will ihr Publikum mitten hineinziehen. „Nordseewind und Schlagerträume“ entfaltet sich als ebenso turbulente wie herzliche Hommage an Dorfleben, Freundschaft und die unverwüstliche Kraft des deutschen Schlagers.

Das Bühnenbild setzt den Ton: eine rustikale Karaoke-Bar, die Kneipe „Zum Deichhasen“, mit viel Holz, Tresencharme und zwei Monitoren, auf denen die Liedtexte eingeblendet werden. Ein kluger Kniff – denn das Publikum wird ausdrücklich aufgefordert, mitzusingen. Und es lässt sich tatsächlich nicht lange bitten. Schon früh erklingt „Santa Maria“, später folgen Klassiker wie „Ich liebe das Leben“, „Über den Wolken“, „Tränen lügen nicht“, „Ein Stern“ oder „Herzbeben“. Spätestens bei „Tanze Samba mit mir“ ist der Saal endgültig Teil der Inszenierung.

Die Dialoge sind pointiert, oft überraschend komisch und gleichzeitig nahbar. Regisseurin Isabell Christin Behrendt setzt bewusst auf Tempo, eingängige Musik und die Nähe zum Publikum. Ihre Inszenierung vermeidet große theatrale Gesten und vertraut stattdessen auf Spielfreude, perfektes Timing und Authentizität. Das funktioniert erstaunlich gut – gerade weil die Figuren nicht überhöht, sondern liebevoll gezeichnet sind. Der dramaturgische Bogen – vom drohenden Verlust der Kneipe über zwischenmenschliche Verwicklungen bis hin zum emotionalen Finale –, das alles mag vorhersehbar sein. Doch genau darin liegt der Reiz: Das Publikum bekommt, was es erwartet – aber mit so viel Herz serviert, dass es nur allzu gerne mitgeht.

Am Ende steht nicht nur ein weiteres Happy End im Weyher Theater, sondern dieses Mal auch ein richtiges Gemeinschaftserlebnis. Gesungen, gelacht, vielleicht sogar ein wenig gerührt – so verlässt man diesen Abend. Oder, um es mit einem Satz aus dem Stück zu sagen: „Hier bei uns – da weiß man, wie man lebt.“

Fazit: Eine ganz und gar unterhaltsame, publikumsnahe Inszenierung mit viel musikalischem Drive, starken Ensembleleistungen und einem klaren Gespür für das, was Theater im besten Fall sein kann: gemeinsam erlebte Emotion.“

(Kreiszeitung, 04.05.2026)